Rede zum “Klimaverträgliches Energieerzeugungs- und Versorgungskonzept für Kiel”
9. Juni 2011 | Von JB | Kategorie: Allgemein(http://ratsinfo.kiel.de/ratsinfo/do027.asp)
Rede von Ratsherr Bernd Jenning
Der Antrag hat gute Ansätze. Allerdings gibt es in ihm so viele Aber! , „ “ dass wir ihm so einfach nicht zustimmen können.
Die Kieler Ratsversammlung hatte im Oktober 2008 den Bau eines Kohlekraftwerkes auf Dauer ausgeschlossen. Hintergrund dieses löblichen Beschlusses ist es, CO2-Emissionen in der Landeshauptstadt zu senken.
Aber: in zwei der drei Steinkohlekessel der Stadtwerke Neumünster wird neben Erdgas und Heizöl auch Kohle verbrannt. Damit ist klar, Neuünster wird sich durch die Mitversorgung Kiels selbst nicht ein so hehres Ziel eingeschränkter Emissionen setzen können – und das auf lange Sicht.
Zwar wurde vieles untersucht, aber nur im Ansatz. Dem Antrag ist zu entnehmen, dass für das Konzept beispielsweise innovative Technologien wie Sonnenenergie, saisonale Wärmespeicher oder Pump- und Druckluftspeicherwerke keine Rolle gespielt haben.
Allerdings wäre doch gerade die möglichst genaue Untersuchung aller Möglichkeiten wichtig, um zu ermitteln, in welcher Größenordnung überhaupt Energie und Wärme für Kiel produziert werden muss.
Zur Debatte steht ja auch der Bau eines Gas- und Dampfheizkraftwerkes mit 400 MW (Megawatt) für Kiel. So ist der Antragsbegründung zu entnehmen, dass man Aussagen von Kritikern immerhin teilweise nachvollziehen kann, wonach ein 200 MWKraftwerk für den Kieler Bedarf vollkommen ausreiche.
Das wichtigste “Aber” ist folgendes: wir finden keine Aussage zur Gesamt-CO2-Bilanz der Wärmeleitung zwischen Kiel und Neuünster, die 40 Kilometer lang sein soll. Angesichts der Tatsache, dass es sich mit dieser Länge um eine der längsten Trassen in ganz Europa handelt, stellt sich schon die Frage nach den Transportverlusten und damit nach der Effektivität.
Dem ökologischen Grundsatz der Dezentralisierung von Wärme- und Energieproduktion wird mit diesem Trasseneinfall jedenfalls keine Rechnung getragen.
Sinnvoller erscheint es uns, dass Neumünster die Überkapazitäten seiner Stadtwerke abbaut und beginnt, selbst CO2-Emmissionen zu reduzieren. Im gleichen Zug muss die Landeshauptstadt Kiel alle Ideen alternativer Energie- und Wärmeproduktionen durchrechnen.